Homey mit KNX verbinden – Welche Hardware ist wirklich notwendig?

Hallo zusammen,

ich plane gerade den KNX-Ausbau für meinen Neubau und habe vom Elektriker folgendes angeboten bekommen:

  • GIRA Datenschnittstelle S1 inkl. Einrichtung/Konfiguration für Programmierung, Fernzugriff und Fernwartung
  • GIRA X1 Visualisierung inkl. Standard-Programmierung

Ich kenne mich mit KNX noch nicht besonders gut aus und hätte daher ein paar Fragen:

  1. Kann Homey direkt mit KNX kommunizieren oder sind X1 bzw. S1 dafür?
  2. Ist es später möglich, in Homey die einzelnen KNX-Aktoren (Licht, Jalousien usw.) sowie Räume einzubinden und zu steuern?
  3. Werden die KNX-Lichter in Homey dann genauso dargestellt wie heute z. B. meine Philips Hue Lampen oder Shelly-Steckdosen – also mit Schaltstatus, Dashboard-Kacheln und Einbindung in Homey-Flows?
  4. Hat jemand von euch KNX + Homey im Einsatz und kann berichten, welche Hardware dafür wirklich notwendig ist und worauf man bereits bei der KNX-Planung achten sollte? gerne auch mal ein paar screenshots von euch wie das in homey aussieht. danke

Vielen Dank für eure Erfahrungen!

Hallo SB,
bei mir im Haus habe ich eine KNX Installation, etwa 80Aktoren, ca. 30-40 Sensoren und entsprechende Schalter.
Ich habe fast das ganze Haus einschliesslich Aussenbeleuchtung, Lüftung-, Pool- und Garagensteuerung am KNX Bus.
Nur Keller, einige essentielle Beleuchtungen im EG und Teile der Garageninstallation sind auf Wunsch meiner Frau konventionell installiert, damit bei Ausfall des elektronischen Hokuspokus wenigstens die Grundfunktionen noch gegeben sind. Ein riesen Fehler !
In den sechs Jahren Betrieb hat es außer bei der Gira Video/Sprechanlage keinen einzigen Ausfall gegeben. Stromausfälle des Netzbetreibers bleiben an der USV hängen.

Deine Fragen:

  • der S1 ist eine spezielle Firewall von Gira für die Verbindung von ausserhalb des Heimetztes. Sonst kannst die Geräte nicht oder nur ohne Firewall steuern. Teuer aber sinnvoll.
  • gleichzeitig ist das die Verbindung zum internen Homey Netz. Du benötigst zwingend ein Interface zwischen dem KNX-Bus und dem Lan. Alternativ funktionieren die Interfaces von Weinzierl, kosten nur ein viertel, aber keine Firewall (Introducing KNX for Homey – News | Homey)
  • der X1 ist der “kleine” Server für kleine bis mittlere Einfamilienhäuser, kann reichen besser ist der eigentliche Homeserver. Der ist aber mehr als doppelt so teuer. Es kommt auf die Größe des Systems an welcher besser geeignet ist. Die meisten Elektriker schlagen den X1 vor, weil sie den Homeserver nicht programmieren können.
  • Homey hat eine eigene KNX App KNX | Homey so wie Hue, Shelly oder viele andere auch. Die Geräte inkludierst du wie bei allen anderen Systemen auch. Du benötigst dafür aber zwingend die KNX Projektdatei mit den Adressen und die Ip von deinem S1.
    Leider hat Athom es bis heute nicht geschafft zumindest bei Standardgeräten alle Entitäten auch mit auszulesen. In HA sind die meistens die Geräte besser integriert so dass ich sie mit der HA-Community App importiere, kleiner Umweg, aber ich habe alle Daten. Die App selber ist weitestgehend stabil, wenn wenn jedoch viele Schaltvorgänge in kurzer Zeit kommen, hängt sie sich schonmal auf oder Homey deaktiviert das Gerät oder den Flow. Dafür bleibt der Rest aber funktionsbereit.
  • Die Programmierung von Automatisationen/Flows mit der ETS klappt gefühlt zum ersten mal nach 6 Monaten und drei Semestern Informatikstudium. Dann kannst du vom Handy einen Lichschalter aus.- und einschalten. Dagegen sind die Homey Flows auch advanced wirklich ein Kinderspiel.
  • ich habe daher bis auf die Rolladensteuerung alle Automatisationen zu Homey verlagert, wenn der Homey mal wieder abstürzt läuft die KNX Integration immer noch.
  • lass die Finger von KNX-RF, das System läuft langsam aus, da kannst du auch gleich einen Shelly nehmen und vom gesparten Geld eine Woche nach Mallorca fliegen.

Sei dir bewußt das die Realisierung jedes einzelnen Aktors oder Sensors etwa das 4-5 Fache der Kosten einer herkömmlichen Installation verursacht !

Hallo Heiko,

vielen Dank für deine ausführliche Nachricht und dass du dir die Zeit genommen hast, deine Erfahrungen so detailliert zu schildern. Das hilft mir wirklich sehr.

Ich stehe aktuell vor einer spannenden Entscheidung. Ich baue ein dreigeschossiges Einfamilienhaus (Keller, Erdgeschoss und Obergeschoss) mit jeweils rund 80 m² Wohnfläche – also nichts Außergewöhnliches für einen Vier-Personen-Haushalt mit Büro und Technikraum.

Mir liegen aktuell zwei Angebote vor:

  • Variante 1: KNX
    • ca. 70.000 € brutto für die Elektroinstallation (ohne PV)
    • mit PV-Anlage insgesamt rund 90.000 €
    • verbaut sind KNX-Taster, Schalter, Rollladensteuerungen usw., allerdings ohne große Touch-Displays oder ähnliche Spielereien.
    • Insgesamt sind etwa 160 Steckdosen vorgesehen. Die Taster sind frei programmierbar, sodass jede Taste später beliebig belegt werden kann.
  • Variante 2: Shelly Pro
    • Das war ursprünglich sogar meine bevorzugte Idee. Es war allerdings gar nicht so einfach, einen Elektriker zu finden, der Shelly professionell verbaut.
    • Wichtig war mir, dass ausschließlich die Shelly-Pro-Serie mit LAN eingesetzt wird – also keine WLAN-Aktoren.
    • Pro Etage ist ein Unterverteiler vorgesehen. Das halte ich grundsätzlich auch für sinnvoll aufgrund der vielen Kabelmeter.
    • Die Schalter/Taster 2-4Fach Jung LS990 arbeiten klassisch als Taster und schalten die Shelly-Aktoren. Dadurch müssen allerdings deutlich mehr Leitungen gezogen werden, insbesondere zu Beleuchtung und Rollläden.
    • Unterm Strich liegt dieses Angebot derzeit trotzdem rund 10.000 € unter der KNX-Lösung.
    • Die PV-Anlage ist praktisch identisch (gleicher Hersteller, gleiche Komponenten, gleicher Preis), sodass der Preisunterschied ausschließlich aus der Elektroinstallation resultiert. (

Jetzt bin ich etwas hin- und hergerissen. Einerseits spricht für KNX natürlich der etablierte Standard und die langfristige Zukunftssicherheit. Andererseits erscheint mir die Shelly-Pro-Lösung mittlerweile sehr attraktiv – insbesondere wenn sie trotz zusätzlicher Verkabelung rund 10.000 € günstiger ist und gleichzeitig bereits geschaltete Steckdosen sowie alle gewünschten Funktionen bietet und ich über homey alles programmieren kann…

Mich würde deshalb deine persönliche Einschätzung interessieren:
Würdest du heute – mit deinen Erfahrungen – wieder KNX bauen oder würdest du unter diesen Voraussetzungen eher zu Shelly Pro greifen? Würdest du den Mehrpreis von etwa 10.000 € für KNX heute nochmals investieren?

Vielen Dank schon jetzt für deine ehrliche Meinung.

Beste Grüße

Stefan Beck

  • Ich bin seit über 30 Jahren im Baugeschäft tätig. 10.000.-€ Kostenerhöhung tun gerade bei einem EFH richtig weh. und sind richtig viel Geld. Aber ich würde sie auf jeden Fall investieren.
    Wenn am Ende Geld fehlt, für die PV nur Leerrohre vorrüsten und dann einbauen wenn es wieder geht. Im Neubau sind die Verbrauchskosten für Warmwasser und Heizung überschaubar. Der Einbau ist ja immer möglich. Ich glaube das wird pro KWP auch nie mehr teurer sondern immer billiger, gerade die Batterien.
  • Der langfristige Ärger mit Shelly Relais ist vorprogrammiert. Ich durfte damals den immensen Leitungsaufwand im Keller nicht betreiben (wir haben ein ähnlich grosses Haus von 1957 renovieren müssen, weil wir so nicht wieder hätten neu bauen dürfen) und habe später wo möglich auch die Shelly Professional im Schaltschrank installiert. Die meisten WLAN Geräte von Shelly habe ich mittlerweile durch andere ersetzt , zum Teil auch Shelly aber dann Zwave nicht WLAN. Nach meinem Kenniststand haben die Shellys immer noch keine VDE Zulassung, nur eine CE Kennzeichnung. Ob sich das versicherungstechnisch auswirkt weis ich nicht. Ich bin zwar kein Elektriker, aber ich bin mir nicht sicher ob der Einbau rechtlich überhaupt zulässig ist, deshalb vermutlich die Weigerung vieler Elektrounternehmen. Als Sanitär- und Heizungsunternehmer darf ich das jedenfalls nicht und einige meiner Hersteller verweigern die Gewährleistung wenn beispielsweise die PV-Anlage mit einem Shelly an die Smardridfunktion angeschlossen ist.
    Zwei bis dreimal im Jahr “hingen” die Shellys´, meist nach einem Update.
  • Zu den Jung Schaltern kann ich nichts sagen, wir haben in jedem Raum ein Gira 514200 mit Thermostat für FB und die Dreifachtaster 511300, von der Optik und Haptik super.
  • Wenn du etwas Geld sparen willst überlege welche von den Steckdosen schaltbar sein sollen, es werden ja oft Doppel- oder Dreifachdosen, wenn eine davon schaltbar reicht das aus.
    Ich habe da an vergessenen/gesparten Stellen die Fibaro Walli F verbaut, dann kann ich schalten und habe ein ordenliches Zwave Netz. Da passt auch unser Gira System 55, ich nutze die Gira Blenden, so das man keinen Unterschied sieht. Auch im Nachhinein kannst du eine Steckdose aus dem Wlan oder Zwave Netz auf einen KNX Schalter legen. Entweder mit der ETS oder du läst den Schalter schon mit einer Adresse belegen und verbindest über einen Homey Flow die Zwave Steckdse mit deinen Jung Tastern.
  • Wie groß ist die geplante PV Anlage ? Wie groß der Akku ?