Zunächst einmal gibt es streng genommen kein „Matter-Netzwerk“. Das ist ein häufiger Denkfehler, deshalb möchte ich die Begriffe kurz sauber voneinander trennen.
Matter ist vereinfacht gesagt die gemeinsame Gerätesprache. Matter definiert, wie Geräte beschrieben werden, welche Funktionen sie anbieten und wie Controller und Geräte sicher miteinander kommunizieren.
Ein Matter-Gerät kann dabei über unterschiedliche Netzwerktechnologien erreichbar sein, zum Beispiel über:
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Thread
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WLAN
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Ethernet
Wenn man eine Analogie verwenden möchte, dann ist Matter eher die Sprache, zum Beispiel Englisch.
Thread ist dagegen das eigentliche Funknetzwerk beziehungsweise der Transportweg. Thread arbeitet auf Basis von IPv6 und IEEE 802.15.4 im 2,4-GHz-Band.
In der Analogie wäre Thread also eher der Kommunikationsweg, über den diese Sprache übertragen wird.
Und genau hier wird es etwas komplexer.
Mehrere Thread Border Router können gemeinsam ein einziges Thread-Netzwerk bilden, wenn sie dieselben Zugangsdaten beziehungsweise dasselbe Operational Dataset verwenden.
Teilen verschiedene Ökosysteme diese Informationen nicht miteinander, können auch mehrere getrennte Thread-Netze im selben Haus entstehen.
Unabhängig davon gibt es bei Matter sogenannte Fabrics.
Eine Fabric ist vereinfacht gesagt ein eigener vertrauenswürdiger Matter-Verbund aus Controllern und Geräten.
Ein Gerät kann dabei durch Multi-Admin gleichzeitig mehreren Fabrics angehören.
Das bedeutet also:
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Matter-Fabric und Thread-Netzwerk sind nicht dasselbe.
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Mehrere Matter-Fabrics können dasselbe Thread-Netz nutzen.
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Unterschiedliche Matter-Fabrics können auch auf unterschiedlichen Thread-Netzen liegen.
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Ein Matter-Gerät kann über Multi-Admin mehreren Fabrics gleichzeitig angehören.
Auch bei Thread selbst gibt es verschiedene Rollen.
End Devices sind normale Thread-Geräte, die nicht für andere Geräte routen.
Router leiten zusätzlich Daten für andere Thread-Geräte weiter. Das sind häufig dauerhaft mit Strom versorgte Geräte wie Steckdosen, Lampen oder andere netzbetriebene Geräte. Aber nicht jedes strombetriebene Thread-Gerät muss automatisch als Router arbeiten.
Thread Border Router verbinden das Thread-Netz mit dem normalen IP-Netz, also beispielsweise mit Ethernet oder WLAN.
Einer der aktiven Router übernimmt zusätzlich die Rolle des Leaders.
Der Leader ist aber kein zentraler Controller, durch den der gesamte Datenverkehr laufen muss. Er verwaltet vor allem Informationen über die Router-Struktur und andere netzweite Daten.
Diese Rolle ist dynamisch.
Wenn sich die Topologie verändert oder der bisherige Leader nicht mehr erreichbar ist, kann ein anderer Router die Leader-Rolle übernehmen.
Ein Thread-Netz kann maximal 32 aktive Router haben. Es können aber deutlich mehr routerfähige Geräte vorhanden sein. Nicht alle davon müssen gleichzeitig als Router aktiv sein. Das Netz entscheidet dynamisch, welche Geräte aktuell als Router benötigt werden.
Dadurch kann sich die Struktur des Thread-Netzes jederzeit verändern, ohne dass der Benutzer davon überhaupt etwas bemerkt.
Das Ganze ist also deutlich komplexer, als es zunächst aussieht.
Aus meiner eigenen Erfahrung haben sich für mich einige einfache Regeln herauskristallisiert, wenn man möglichst wenig Chaos im Thread- und Matter-Umfeld haben möchte.
Geräte sauber neu anlernen
Wenn ich ein Matter-Gerät bewusst in ein anderes Ökosystem verschiebe, setze ich es vollständig auf Werkseinstellungen zurück und lerne es danach neu an.
Ich versuche außerdem, Geräte möglichst zunächst über ein primäres System anzulernen, also zum Beispiel alle über Homey, alle über Apple Home oder alle über Home Assistant.
Damit vermeidet man möglichst viele alte Credentials, alte Fabrics und schwer nachvollziehbare Mischzustände.
Unnötige zusätzliche Thread-Netze vermeiden
Mehrere Border Router sind grundsätzlich überhaupt kein Problem. Im Gegenteil: Mehrere Border Router innerhalb desselben Thread-Netzes sind ausdrücklich vorgesehen und erhöhen normalerweise Redundanz und Verfügbarkeit.
Was man möglichst vermeiden sollte, sind unnötig viele getrennte Thread-Netze im selben Haus.
Hier habe ich persönlich noch eine Beobachtung gemacht:
Border Router, die selbst noch keine Geräte angelernt haben, scheinen meiner Erfahrung nach eher bereit zu sein, einem bereits vorhandenen Thread-Netz beizutreten, sofern das betreffende Ökosystem die notwendigen Zugangsdaten übernehmen kann.
Das ist ausdrücklich keine feste Thread-Regel, sondern lediglich etwas, das ich in der Praxis mehrfach beobachtet habe.
Ein Border Router, der bereits ein eigenes Thread-Netz mit Geräten verwaltet, hat natürlich auch einen bestehenden Dataset-Zustand, den das jeweilige Ökosystem möglicherweise weiterverwenden möchte.
Wenn ein zusätzlicher Border Router dagegen noch kein eigenes Netz mit Geräten aufgebaut hat, scheint die Integration in ein bereits vorhandenes Netz in der Praxis oft problemloser zu funktionieren.
WLAN nicht vergessen
Ein weiterer Punkt, der häufig unterschätzt wird, ist WLAN.
Thread arbeitet ebenfalls im 2,4-GHz-Band.
Ein ungünstig gewählter 2,4-GHz-WLAN-Kanal kann daher das Thread-Netz beeinflussen, selbst wenn die eigentlichen Matter-Geräte über Thread kommunizieren.
Zusätzlich gibt es natürlich auch Matter-Geräte, die direkt über WLAN arbeiten.
Eine sinnvolle WLAN- und Thread-Kanalplanung gehört für mich deshalb zu einem stabilen Smart Home genauso dazu wie eine saubere Matter- und Thread-Struktur.
Zum Thema WLAN-, Thread- und Zigbee-Kanäle habe ich hier etwas ausführlicher geschrieben:
Ich hoffe, das bringt etwas Klarheit in die Begriffe.
Wenn man Matter, Fabric, Thread-Netz, Border Router, Router, End Device und Leader sauber voneinander trennt, wird das Ganze zwar nicht unbedingt einfach, aber zumindest deutlich verständlicher. ![]()